Marco wartete noch immer darauf, ob er für seinen Wunschstudiengang Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam zugelassen werden würde. Sein Freund Jannis hatte den Zulassungsbescheid für ‚Ökolandbau und Vermarktung‘ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde schon erhalten und fieberte nun seinem Studium entgegen. Gemeinsam malten sie sich aus, wie das Leben als Studenten sein würde und sahen sich schon einmal auf den Webseiten und Social Media-Accounts ihrer Traumhochschulen um. Marco, der als erster in seiner Familie studieren würde, bekam bei der Recherche schnell ein mulmiges Gefühl – die Universität schien ihm wie ein ganz neues Universum, weil er so viele Begriffe nicht verstand. Jannis kannte sich ein bisschen mehr aus, da bereits seine Eltern und seine größere Schwester studiert hatten und er sich schon etwas über das Studium angelesen hatte. Gemeinsam erkundeten sie das für sie neue Hochschulvokabular.

Marco: Okay, Jannis. Ich habe schon verstanden, dass ich mich erst auf meinen Studiengang bewerben musste und mich dann, wenn ich ihn bekommen habe, noch immatrikulieren muss. Aber was heißt das eigentlich?

Jannis: Immatrikulation heißt sowas wie ‚Einschreibung‘ – damit nimmst du also den dir angebotenen Studienplatz an. Meine Schwester hat mir übrigens erzählt, dass es auch das Gegenstück davon gibt – Exmatrikulation. Wenn du dich exmatrikulierst bzw. exmatrikuliert wirst, bist du also nicht mehr Student dieses Studiengangs an der entsprechenden Hochschule.

Marco: Hm, ich habe schonmal von der Regelstudienzeit gehört – wird man etwa gleich exmatrikuliert, wenn die abgelaufen ist?

Jannis: Nein, zum Glück nicht! Man kann sein Studium in der Regelstudienzeit schaffen, wenn man genau nach Plan studiert – es gibt aber auch viele, die länger studieren und das ist auch so lange kein Problem, bis man das Doppelte der Regelstudienzeit erreicht.

Marco: Und was heißt jetzt „nach Plan studieren?“

Jannis: Hm, lass mich mal nachdenken… In jedem Semester gibt es eine bestimmte Anzahl an ECTS-Punkten (European Credit Transfer System) zu erfüllen. Meine Schwester hat auch immer von ‚Leistungspunkten‘ oder ‚Credit Points‘ gesprochen. Ein solcher Punkt entspricht immer insgesamt  etwa 30 h Arbeitsaufwand. Wie viele ECTS-Punkte pro Semester zu erbringen sind und wie sie sich zusammensetzen, ist in der Studien- und Prüfungsordnung des jeweiligen Studiengangs festgelegt. Google doch mal nach der aktuellen Studienordnung für Ernährungswissenschaft!

Marco: Hier habe ich sie; die aktuellste ist von 2017. Aha, ich soll in 6 Semestern – das ist also die Regelstudienzeit – 180 Credit Points erbringen, also ca. 30 pro Semester. Und woher weiß ich nun, wie ich auf die Punktanzahl komme?

Jannis: Schauen wir uns mal deinen Modulkatalog an. Darin sind alle Module aufgeführt, aus denen dein Studium besteht.

Marco: Was sind denn Module?

Jannis: Meine Schwester hat es mir so erklärt: In der Uni hast du verschiedene Arten von Lehrveranstaltungen, also zum Beispiel Vorlesungen, bei denen meist der Dozent oder die Dozentin einen Vortrag hält, oder Seminare, bei denen Lehrinhalte besprochen und zum Beispiel auch Referate gehalten werden oder noch andere Arten wie Übungen oder Tutorien. Die Lehrveranstaltungen sind wie Fächer, in denen du regelmäßig zum Unterricht gehen musst. Und ein Modul kann aus einer oder mehreren Lehrveranstaltungen bestehen, die thematisch zusammengehören. Schau mal, deine ersten Module wären zum Beispiel ‚Mathematik und Statistik‘, oder ‚Grundlagen der Biologie‘. Und wenn wir jetzt weiterschauen, finden wir deinen exemplarischen Studienverlaufsplan, in dem wir sehen können, wann du welche Module belegen solltest und aus welchen Lehrveranstaltungen die Module bestehen – schau mal, für ‚Mathematik und Stochastik‘ musst du im ersten Semester zum Beispiel eine Vorlesung und eine Übung belegen und dafür bekommst du vier Credit Points.

Auszug aus den Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 13 vom 31.7.2017 - Seite 543 - 551. Anhang 2: Exemplarischer Studienverlaufsplan. Empfohlener Studienverlauf für das Bachelorstudium. [Ernährungswissenschaft. Auszug.]

Bild: Auszug aus der fachspezifischen Studien- und Prüfungsordnung für den Bachelorstudiengang Ernährungswissenschaft an der  Universität Potsdam vom 15. Februar 2017. Hier: Exemplarischer Studienverlaufsplan

 

Marco: Ah, verstehe! Wusstest du schon, dass man als Student bzw. Studentin für die einzelnen Fächer immer viel vor- und nachbereiten muss? Also Texte lesen, Aufgaben erledigen und so weiter.

Jannis: Oh ja, das habe ich auch schon gehört. Schau mal, die Bachelorarbeit ist auch ein Modul, im 6. Semester deines Studiengangs. Puh, daran möchte ich jetzt noch gar nicht denken…

Marco: Ja, ich habe auch schon ein bisschen Angst davor, eine richtige Abschlussarbeit für die Uni zu schreiben. Aber ich versuche mir dann zu sagen, wir haben davor ja noch genug Zeit um das wissenschaftliche Arbeiten zu lernen und uns darauf vorzubereiten. Aber wenn wir einen Master machen wollen, müssen wir einfach vorher auch den Bachelor schaffen.

Jannis: Meine Schwester ist ziemlich gut im Studium, sie macht gerade ihren Master in Politikwissenschaft und überlegt sogar danach zu promovieren.

Marco: Das heißt doch, dass man einen Doktorgrad erhält, oder?

Jannis: Genau, mit einer Promotion erwirbt man den Doktortitel – und den kann man übrigens nicht nur in Medizin, sondern auch in anderen Fächern bekommen!

Marco: Um Professor an der Uni zu werden, braucht man doch auch einen Doktortitel, oder?

Jannis: Professorinnen bzw. Professoren haben einen Lehrstuhl an der Hochschule und dafür brauchen sie in der Regel einen Doktortitel. Es gibt aber auch andere Lehrende – Dozentinnen bzw. Dozenten – die keinen Doktortitel haben. Das ist wohl von Fach zu Fach auch etwas unterschiedlich.

Marco: Interessant. Aber irgendwie auch ganz schön theoretisch. Mich interessiert eigentlich viel mehr, wie das Leben als Student dann im Alltag sein wird! Ich habe schonmal an einem Workshop von Studierenden teilgenommen und versucht, mir im Internet eine Vorstellung davon zu machen. An der Uni Potsdam gibt es nicht nur einen Campus, also ein Unigelände, sondern drei! Auf jedem Campus gibt es verschiedene Gebäude mit Hörsälen und Seminarräumen. Daneben natürlich auch Bibliotheken, eine Mensa und eine Cafeteria – ganz wichtig, damit man auch einfach mal mit Kommilitonen und Kommilitoninnen quatschen kann. Und weißt du, was ich richtig gut finde – das Akademische Viertel! Das bedeutet, dass der Unterricht eine Viertelstunde später beginnt!

Jannis: Wie meinst du das denn?

Marco: Ich habe im Internet gelesen, dass bei manchen Veranstaltungen zum Beispiel Beginn ‚10 Uhr c.t.‘ steht. Das bedeutet ‚cum tempore‘, also ‚mit Zeit‘ und bedeutet, dass der Unterricht um 10:15 Uhr beginnt. Man muss aber echt aufpassen, weil manche Veranstaltungen auch ‚s.t.‘, ‚sine tempore‘, das heißt ‚ohne Zeit‘ beginnen – hier also um punkt 10 Uhr.

Jannis: Oh, gut zu wissen! Da muss man also vorab im Vorlesungsverzeichnis nachschauen, wann genau der Unterricht beginnt. Das ist ein online-Verzeichnis deiner Hochschule, in das du dich als Student einloggen kannst. Darin sind alle Lehrveranstaltungen aufgeführt, sodass du dir dann die Veranstaltungen raussuchen kannst, die zu deinem jeweiligen Modul gehören. Man muss sich dann wohl noch innerhalb bestimmter Fristen dafür anmelden – oder in manchen Studiengängen wird dir der Stundenplan auch vorgegeben.

Marco: Puh, ganz schön viel zu organisieren. Zum Glück besteht ein Semester nicht nur aus Vorlesungszeit, sondern auch aus vorlesungsfreier Zeit! Ich weiß schon, dass man in diesen „Semesterferien“ nicht nur Ferien hat, sondern auch Praktika machen oder Hausarbeiten schreiben muss – aber trotzdem gut, zwischen Winter- und Sommersemester auch mal durchatmen zu können.

Jannis: Darauf freue ich mich auch schon! Ich hoffe einfach, dass du die Zusage für Ernährungswissenschaft kriegst und wir beide bald Studenten sind!

Marco und Jannis waren so richtig im Stoff und recherchierten nun noch etwas weiter. Dabei stießen sie auf ein nützliches Online-Lexikon der Universität Potsdam, das viele wichtige Begriffe rund ums Studium erklärte. Dort würden sie nachgucken, wenn sie einen Begriff mal nicht verstanden.

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