Marco war noch in seinem Gap-Year auf der kanadischen Milchfarm, als der Gedanke in ihm zu nagen begann: Was kommt danach? Völlig orientierungslos, wie er mit der Suche nach seinem Wunschstudiengang beginnen sollte, recherchierte er im Internet und stieß auf das Workbook zur Entscheidungsfindung des Netzwerks Studienorientierung – genau das, was er brauchte! Gleich im dritten Kapitel stieß er auf ein Thema, das ihn entscheidend in seiner Studienwahl voranbringen sollte: Interessenfelder. Zum ersten Mal machte Marco sich bewusst darüber Gedanken, was ihn wirklich interessierte und welche Tätigkeiten ihm Freude bereiteten. Die Fragen im Workbook stießen viele Gedanken an und so konnte er Schritt für Schritt sein Interessenprofil nach dem Modell von John Holland bilden.

Was machst du gern in deiner Freizeit? Was sind deine Hobbies? Wo bringst du dich aktiv ein?

Da fiel ihm natürlich sofort die Milchfarm ein, auf der er sich derzeit befand. Die traditionellen und neueren Verfahren der Milcherzeugung kennen zu lernen, hatte ein großes Interesse in ihm geweckt. Dass bei dieser Arbeit hochwertige und natürliche Lebensmittel erzeugt wurden, begeisterte ihn.  Eigentlich gar nicht verwunderlich, dachte er sich, denn er hatte schon lange Freude an gutem und gesundem Essen. Gesunde Ernährung hatte in seiner Familie schon eine Rolle gespielt, jedoch hatten in der fünfköpfigen Familie beim Kochen oft auch praktische Gesichtspunkte im Vordergrund gestanden. Er hatte sich schon länger dafür interessiert, wie man seine Ernährung gesund und abwechslungsreich gestalten konnte und schon als Kind seine Eltern mit Fragen gelöchert wie etwa, warum Gemüse denn nun eigentlich so gesund sei. Seinen Eltern war sein Interesse aufgefallen, sodass sie ihm, als seine Schulnoten schlechter wurden, eine Ausbildung zum Koch vorschlugen. Doch auch wenn Marco sich gern ab und zu selbst in der Küche kreativ austobte, als Koch sah er sich nicht.

Vielmehr fiel ihm bei der Beantwortung der Fragen aus dem Workbook mehr und mehr auf, dass er ein großes Interesse am Verstehen von Theorien, Zusammenhängen und Prozessen hatte. Er war vielseitig interessiert und stellt viele Fragen. Sein großes Vorbild (Welche Personen, egal ob real, fiktiv, lebend oder bereits tot, nimmst du dir zum Vorbild und weswegen?) war eine Mitarbeiterin der Milchfarm, die eine Art Mentorin für ihn geworden war. Mit ihren 30 Jahren Berufserfahrung hatte sie einen enormen Wissensschatz und konnte ihm jede Frage zu den Hintergründen der Milcherzeugung und der biochemischen Zusammensetzung von Nahrungsmitteln beantworten – Wissen, das er gierig aufgesogen hatte.

Die Frage „In welchen Bereichen vergisst du die Welt um dich herum?“ beschwor vor seinem inneren Auge die Bibliothek herauf, in der seine Mutter arbeitete. Der Geruch alter Bücher und die Stille in Bibliotheken hatte ihn schon als kleines Kind fasziniert und er freute sich daher auch darauf, in seinem Studium die Bibliothek zu besuchen. Marco wurde klar, dass sein dominantes Interessenfeld das wissenschaftlich-forschende war.

Fragen wie „In welchen Bereichen lassen sich andere Menschen von dir helfen?“ brachten ihn zu seinem zweitwichtigsten Interessenfeld, dem sozialen. Als Bruder zweier jüngerer Geschwister hatte er viel Erfahrung damit, anderen etwas beizubringen. Er hatte ihnen oft bei den Hausaufgaben geholfen, besonders in Biologie; aber auch für die anderen Naturwissenschaften hatte er ein Händchen gehabt. In seinen Jobs in der Gastronomie hatte er seine soziale Ader auf andere Weise ausleben können; wenn er die Arbeit selbst auch als ein wenig langweilig empfunden hatte – der Kontakt mit den Gästen hatte ihm dabei durchaus Freude bereitet. Er konnte sich auch gut vorstellen, in seinem späteren Beruf vielleicht einmal eine beratende oder lehrende Tätigkeit zu übernehmen.

Marco betrachtete nun die übrig gebliebenen Interessenfelder. Technisch-praktische Interessen konnte er in sich durchaus entdecken, aber wenn er sich mit seinem Freund Jannis verglich, der an den praktischen Aufgaben auf der Milchfarm immer besonders großes Interesse hatte, merkte er, dass dieses Interessenfeld bei ihm weniger stark ausgeprägt war. Organisierend-verwaltenden Tätigkeiten, wie z.B. wenn er als Kind seiner Mutter in der Bibliothek manchmal beim Einsortieren der Bücher helfen durfte, konnte er durchaus etwas abgewinnen; und künstlerisch-kreativ wurde er gern beim Kochen – beide Interessenfelder erschienen ihm jedoch nicht als zentral. Das einzige, was er nun wirklich gar nicht in sich ausmachen konnte, waren wirtschaftlich-unternehmerische Interessen –warum Jannis diese Komponente an seinem Studienwunsch „Ökolandbau und Vermarktung“ so interessant fand, war ihm ein Rätsel…

So fand Marco sein Interessenprofil heraus: I – S – R – C – A – E

Damit war er nun schon ein großes Stück weiter auf seiner Studiengangsuche. Er wusste nun, was ihn interessierte und konnte jeden einzelnen Studiengang daraufhin überprüfen, ob er mit der Gewichtung seiner Interessen zusammenpasste. Mit der Neigung zu den Naturwissenschaften und seinem an wissenschaftlich-forschenden Tätigkeiten passte der Studiengang Ernährungswissenschaften perfekt. Das soziale Element stand innerhalb des Studiums zwar nicht im Fokus, aber die Chancen standen nicht schlecht, dass er damit später beruflich seine sozialen Interessen würde anwenden können, z.B. im Rahmen der wissenschaftlichen Lehre oder einer (ernährungs-)beratenden Tätigkeit. Das technisch-praktische Interesse sprach vor allem dafür, dass sein Studium auch Praktika beinhalten sollte – das war ein Vorteil, den der Studiengang an der Universität Potsdam im Vergleich zu dem an der Technischen Universität Berlin hatte.

Ob Marcos Wunsch in Erfüllung geht? In den nächsten Folgen erfährst du, wie Marcos Bewerbungsprozess abgelaufen ist und ob er seinen Wunschstudiengang bekommen hat.

 

zum Seitenbeginn