In einem der vorherigen Blogeinträge haben wir bereits festgestellt, dass niemand besser weiß als du, welcher Studiengang am ehesten deinen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Als Experte oder Expertin deines Lebens wirst du der Antwort auf die Frage, welcher Studiengang der Richtige für dich ist, Schritt für Schritt näher kommen, je mehr du dich mit deinem zukünftigen Werdegang beschäftigst. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, macht aber zugleich auch eine Menge Spaß. Am besten ist es, wenn du so früh wie möglich anfängst, dich mit den verschiedenen Faktoren, die deiner Entscheidung zugrunde liegen, auseinanderzusetzen. Wir sind der Meinung, dass du unter Berücksichtigung deiner Interessen eine gut begründete Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Studiengang treffen kannst. Hierin sehen wir den Schlüssel für deinen erfolgreichen Studienabschluss, denn der Hauptgrund für den Abbruch eines Studiums stellt meistens die mangelnde Passung zwischen den persönlichen Interessen und Neigungen und den Anforderungen des ausgewählten Studiengangs dar. Lass uns also heute deine Interessen erkunden und auf die Suche nach deinem Wunschstudiengang gehen!

Interessenfelder

Was versteht man eigentlich unter Interessen? Interesse ist eine „Bezeichnung für die Tendenz, bestimmte Gegenstände, Ereignisse, Sachverhalte usw. der Umwelt besonders zu beachten und ihnen gegenüber gesteigerte emotionale Anteilnahme zu zeigen, weil sie einen subjektiven Wert darstellen.“[1] Vereinfacht gesagt sprechen wir also von einem Interesse, wenn du dich aus deiner eigenen Motivation heraus Dingen, Menschen oder Aufgaben zuwendest, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Die Bedeutung der Interessen für die Berufs- und Studienwahl wurde erstmals von John L. Holland in den 1970er Jahren untersucht. Er beschreibt Interessen als grundlegende persönliche Orientierungen, die erworben werden und über die Lebensspanne hinweg relativ stabil bleiben. Holland konnte sechs grundlegende Interessenfelder identifizieren, die typischerweise in westlichen Kulturen vorkommen. Wir haben sie für dich zusammengestellt und die beruflichen Vorlieben der Menschen, die dem jeweiligen Interessenfeld zuzuordnen sind, sowie ihre späteren beruflichen Einsatzfelder beschrieben. Beides sollte dir die Möglichkeit geben, deine eigenen Interessen mit den jeweiligen Feldern abzugleichen und ggf. die Bedeutung der verschiedenen Felder für dich zu vergleichen.

Soziale Interessen
(S – Social)

Vorlieben: Umgang mit anderen Menschen, professionelle Unterstützung und Beratung von Menschen
Einsatzbereiche: soziale, erziehende oder pflegende Berufe in den Bereichen Bildung, Schule, Beratung und Gesundheitswesen

Künstlerisch-kreative Interessen
(A – Artistic)

Vorlieben: Umgang mit Sprache und/oder Bedürfnis nach kreativem und kulturellem Ausdruck, arbeiten selbstständig, sorgfältig, auch mit handwerklichem Geschick und hoher Kommunikationsfähigkeit
Einsatzbereiche: Berufe mit den Schwerpunkten Kunst, Kultur, Musik, Theater und Journalismus

Wirtschaftlich-unternehmerische Interessen
(E – Enterprising)

Vorlieben: Steuerung von wirtschaftlichen und unternehmerischen Projekten und Prozessen, gern organisierend, führend oder verkaufend tätig, erfolgsorientierte Arbeitsweise
Einsatzbereiche: Berufe in den Bereichen Management und Verkauf

Technisch-praktische Interessen
(R – Realistic)

Vorlieben: gestalten, konstruieren, reparieren, transportieren oder reinigen von Gegenständen und technischen Anlagen, meist praktische Veranlagung und erfolgs- und ergebnisorientierte Arbeitsweise
Einsatzbereiche: interessiert an den Bereichen Handwerk, Technik, Informatik und Landwirtschaft

Wissenschaftlich-forschende Interessen
(I – Investigative)

Vorlieben: Beschäftigung mit wissenschaftlichen und abstrakten Fragestellungen, systematisches, theoretisches und analytisches Arbeiten
Einsatzbereiche: Wissenschaft und Forschung

Organisierend-verwaltende Interessen
(C – Conventional)

Vorlieben: Aufbereitung von Statistiken und Zahlen, Umgang mit Verträgen und Beachtung von Regeln, Erledigung von ordnenden, verwaltenden und auch standardisierten Prozessen, arbeiten ordentlich, genau und gut organisiert
Einsatzbereiche: Bereiche, die eine hohe Präzision und Fehlerfreiheit erfordern und z.B. in der Planung und Koordination von Büro- und Geschäftsprozessen angesiedelt sind

 

Interessenprofil

Dein persönliches Interessenprofil wird durch die jeweilige Ausprägung der verschiedenen Interessenfelder bestimmt. Am besten beginnst du damit, deinen dominanten Interessentyp festzulegen: Welches Interessenfeld entspricht am ehesten deinen Interessen? Neben dem dominanten Typ kannst du nun auch den Typen festlegen, der am zweitbesten zu dir passt usw. Es kann also zum Beispiel sein, dass du grundlegend ein sozial interessierter Typ (S) bist, der sekundär künstlerische Interessen (A) hat und auch die unternehmerischen Interessen (E) im Blick behält. Am Ende deiner Überlegungen hast du im besten Fall dein sechsstelliges Interessenprofil herausgefunden, hier z.B.: S-A-E-R-I-C.

In unserer nächsten Folge werden wir Marco bei der Erkundung seiner Interessen begleiten. Ihr erfahrt, welches Interessenprofil Marco am besten beschreibt und wie er seine für die Studienwahl relevanten Interessen herausgefunden und priorisiert hat. Auch die wichtigste Frage wird nicht unbeantwortet bleiben: In welcher Beziehung steht Marcos persönliches Interessenprofil zu seinem Wunschstudiengang und wie hat er diese Passung hergestellt? Es bleibt also spannend!

 

[1] Grüner, G.;  Georg, W. & Kahl, O. (1982): Kleines Berufspädagogisches Lexikon. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag KG.  S. 117.

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