Nachdem Marco in seinem Entscheidungsprozess bereits bis zur Entscheidungsphase gelangt war, war er voller Euphorie und freute sich auf den kommenden Lebensabschnitt sowie auf seine Rückkehr nach Deutschland. Durch die Gespräche mit den Studienberaterinnen der Uni Potsdam wusste er bereits, dass es sich bei seinem angestrebten Studiengang „Ernährungswissenschaft“ um einen zulassungsbeschränkten Studiengang handelte. Die Studienberaterinnen hatten ihm außerdem bestätigt, was er bereits zuvor durch eigene Recherchen herausgefunden hatte: Die Zugangsvoraussetzungen verlangten lediglich eine Hochschulzugangsberechtigung, weitere Voraussetzungen wie eine Eignungsprüfung gab es nicht. Die Webseite der Universität Potsdam verriet ihm, dass die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge in diesem Jahr auf den 20. August 2020 gelegt wurde. Sobald er wieder in Deutschland sein wird, würde Marco den Antrag auf Zulassung stellen und die erforderlichen Unterlagen einsenden – in seinem Fall den unterschriebenen Zulassungsantrag sowie die Kopie seines Abiturzeugnisses. Seine Rückkehr war noch für Juli geplant, so dass die Einhaltung der Bewerbungsfrist für ihn kein Problem darstellen sollte.

Ein kleiner Dämpfer

Als er sich die Auswahlgrenzen des letzten Jahres für Ernährungswissenschaft an der Uni Potsdam genauer anschaute, wurde seine Euphorie jedoch zunächst etwas gebremst.

DN = Durchschnittsnote
WZ = Wartezeit
Wintersemester 2018/19
Hochschulauswahlverfahren Wartezeit
Studienfach DN (WZ) WZ (DN)
Ernährungswissenschaft 2,0 (0) 6 (3,0)

Tab. 1: Auswahlgrenzen für Erststudienbewerber an der Universität Potsdam
(Quelle: https://www.uni-potsdam.de/de/studium/zugang/bewerbung-bachelor/auswahlverfahren vom 30.06.2020)

Der Tabelle konnte Marco entnehmen, dass im letzten Jahr der oder die letzte Bewerber*in im Hochschulauswahlverfahren eine Durchschnittsnote von 2,0 vorweisen hatte können. Ein strukturiertes Studienvorbereitungsprogramm, welches seine Abiturnote aufgewertet hätte, hatte er nicht absolviert und eine Studienplatzvergabe über die Durchschnittsnote wäre im Hauptverfahren des letzten Jahres für ihn mit einer Abiturnote von 2,1 nicht möglich gewesen. Auch die Angaben bezüglich der Wartezeit ließen ihn nicht gerade auf eine Zulassung hoffen: Die letzte Zulassung war hier im vorigen Jahr bei einer Wartezeit von sechs Semestern erfolgt, während er sich durch seinen einjährigen Auslandsaufenthalt nur zwei Wartesemester „erarbeitet“ hatte.

Ein Lichtblick

Marco musste kurz schlucken, fing sich aber nach einigen Minuten wieder. Zum einen, da er sich klar machte, dass die Auswahlgrenzen lediglich eine erste Orientierung lieferten und niemals eine Aussage über die Auswahlgrenzen in diesem Jahr machen konnten. Zum anderen, da er wusste, dass der Weg zu seinem Wunschstudiengang nicht nur über das Hauptverfahren, sondern auch über das Nachrückverfahren möglich war. Hierfür würde es nur einen Funken Glück bedürfen. Außerdem hatte er sich ja bereits über die Studienmöglichkeiten an anderen Hochschulen informiert, unter anderem über den Studiengang Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universität Berlin. Dieser war zwar ebenfalls zulassungsbeschränkt, jedoch hatten hier im letzten Wintersemester alle Bewerber*innen eine Zulassung erhalten, so dass Marco auch für sich selbst gute Chancen sah. Er würde sich also nicht nur an der Universität Potsdam, sondern auch an der Technischen Universität Berlin bewerben. So würde er seine Zukunft nicht nur auf eine Karte setzen, auch wenn er sich nur ungerne vorstellte, an einer Universität, die nicht seiner ersten Wahl entsprach, immatrikuliert zu sein. Schließlich hatte er gute Gründe, weshalb er sein Studium in Potsdam aufnehmen wollte und in Gedanken verbrachte er seine Zeit zwischen den Vorlesungen bereits mit Kommiliton*innen auf dem Campus Golm. Er verdrängte den Gedanken, dass seine Abiturnote ihm ein Schnippchen schlagen könnte, und gab seine Pläne nicht auf – schließlich waren diese das Ergebnis eines wohldurchdachten Entscheidungsprozesses. Lieber zeigte er sich zuversichtlich, dass er in nur wenigen Monaten Student der Ernährungswissenschaft an der Uni Potsdam sein würde…

 

 

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