Warum ist die Entscheidung, was man studieren möchte, eigentlich so kompliziert? Schließlich treffen wir alle täglich hunderte Entscheidungen, und das ganz unbewusst! Ja, auch du!

Doch warum fällt vielen Menschen die Entscheidung für einen bestimmten Studiengang so schwer? Das liegt zum einen daran, dass es eine nahezu unüberschaubare Fülle an Studienmöglichkeiten in Deutschland, aber natürlich auch über die Grenzen des Landes hinaus gibt. Allein in Deutschland stehen dir 10.000 Bachelorstudiengänge an über 390 staatlichen und privaten Hochschulen zur Wahl. Zum anderen triffst du wahrscheinlich zum ersten Mal eine derart besondere Entscheidung, die dein weiteres Leben prägen wird und auch vor deinen Eltern und Freunden begründet werden muss. Das kann ganz schön anstrengend sein und auch mit viel Druck einhergehen. Keine Sorge, du bist damit nicht allein! Unserer Erfahrung nach haben die meisten Jugendlichen ähnliche Schwierigkeiten mit der Studienwahlentscheidung.

Wir wollen dir dabei helfen, deine Entscheidung nicht aufgrund eines vagen Gefühls, sondern gut informiert und ganz bewusst zu treffen. Um zu verstehen, wie Entscheidungsprozesse ablaufen, haben wir ein einfaches Modell ausgewählt, das dir die Möglichkeit gibt, nachzuvollziehen, an welcher Stelle dieses Prozesses du dich befindest, und das zugleich die Natur von Entscheidungen beleuchtet.

Wir stellen dir hier den Entscheidungsprozess zur Studienwahl nach dem Wissenschaftler Lars Tutt vor.

Dieser fand heraus, dass den Entscheidungen zur Studienwahl fünf theoretisch abgrenzbare Phasen zu Grunde liegen. Zu Beginn des Entscheidungsprozesses steht die Frage im Mittelpunkt, ob ein Studium überhaupt für dich in Frage kommt. In dieser Phase der Prozessanregung beschäftigst du dich mit den Optionen, die nach der Schule existieren und für dich in Frage kommen. Möchtest du lieber ein Studium aufnehmen oder eine Ausbildung machen? Möchtest du damit gleich im Anschluss beginnen oder doch erst einmal ein Gap Year einlegen oder deine Fähigkeiten in einem Praktikum erproben?

So geht es weiter:

Ist diese Entscheidung getroffen worden oder gibt es eine Tendenz für eine nachschulische Option, kannst du dich in der Such- und Vorauswahlphase mit den konkreten Faktoren der Studienwahlentscheidung auseinandersetzen: Hier spielt vor allem die Erkundung deiner Persönlichkeit eine große Rolle: Was sind deine Interessen? Was sind deine Stärken? Was tust du gern, auch ohne, dass du dafür etwas erwartest? Welche konkreten Studienfächer gibt es? An welchen Studienorten und Hochschultypen kannst du sie studieren? Wenn du dich hiermit auseinandergesetzt hast, wirst du in der Lage sein, in der Bewertungsphasein Frage kommende Studienmöglichkeiten gegenüberzustellen und sie vergleichend abzuwägen. Zum Schluss legst du den Studiengang und -ort konkret fest und hast damit auch erfolgreich die Entscheidungsphasedurchlaufen. Geschafft! Herzlichen Glückwunsch!

Aber Achtung:

Der Entscheidungsprozess läuft allerdings in den meisten Fällen nicht linear, sondern dynamisch ab. Das heißt, dass du dich wahrscheinlich nicht geradlinig von Phase 1 bis zu Phase 4 durcharbeitest, sondern auch immer wieder zu einer der früheren Phasen zurückkehrst, wo du dann von einem höheren Erfahrungsniveau aus deinen Weg fortsetzt (Revisionsphase). Das kann z.B. der Fall sein, wenn du eine neue Information erhältst, die du dann mit deinen bereits erworbenen Erkenntnissen in Beziehung setzt und so die Faktoren neu abwägst.

Klingt alles ganz schön kompliziert und nach viel Anstrengung, oder?

Lass dich nicht einschüchtern! Weißt du was? Du bist der Spezialist bzw. die Spezialistin in dieser Frage – niemand weiß besser als du, welcher Studiengang für dich der richtige ist. Mach dir auch keinen Stress damit, eine so komplexe Entscheidung an einem Nachmittag fällen zu wollen. Eine fundierte Entscheidung treffen zu können, kann Monate oder sogar Jahre dauern. Am besten ist es, wenn du so früh wie möglich anfängst, dich mit den verschiedenen Faktoren zu beschäftigen, damit du später nicht überhetzt eine Entscheidung treffen musst.

Auch Marco hat es sich mit der Wahl seines Studiengangs nicht leicht gemacht. Lass uns einen Blick darauf werfen, wie Marco die einzelnen Entscheidungsphasen durchlaufen hat. Vielleicht wird dir dann besser verständlich, worum es in den einzelnen Phasen wirklich geht.

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